Rundbrief nach unserer Maltareise

WENN SIE NICHT AUF DEM SCHIFF BLEIBEN; KÖNNT IHR NICHT GERETTET WERDEN.  Apg. 27, 31 b

Liebe Freundinnen und Freunde unseres Klosters, liebe Schwestern und Brüder.

Dieser Satz aus dem Mund des Apostels Paulus. Das Schiff mit einigen Gefangenen u.a. auch mit dem gefangenen Paulus, der nach Rom vor den Kaiser wollte, um sein Recht zu bekommen erleidet mit der ganzen Besatzung Schiffbruch vor Malta. Diese Erzählung bewegt mich, weil wir alle ähnlichen Schiffbruch schon erlebt haben. Paulus wurde Unrecht getan und er wollte sein gutes Recht vor dem Kaiser erwirken. In solch einer menschlichen Tragödie erkenne ich das „Strickmuster Gottes“.  Eine ganz verworrene Situation auf dem Schiff, Gelegenheit zum Abhauen?  Gelegenheit nutzen und für sich das Beste daraus machen? Nein! Paulus sagt zum Hauptmann und zu den Soldaten: „Wenn sie nicht auf dem Schiff bleiben;  könnt ihr nicht gerettet werden.“  Ein Satz so bedeutungslos in eine konkrete Situation gesprochen, was ist schon dabei, das geschieht täglich tausend mal, doch für mich steigt in diesem Satz eine Verheißung auf.

Nehme ich das alte Bild des Schiffes für die Kirche, auch für die heutige, dann ist dieser Schiffsbruch etwas ganz Konkretes. Ja, wir alle leiden natürlich konkret an unserer Schwäche. Auf dem Schiff waren nicht nur ehrbare Bürger sondern Menschen, die sich schuldig gemacht hatten. Auf dem Schiff der Kirche sind nicht nur ehrbare Menschen, sondern Menschen, die Schuld tragen und haben. Das Schiff trägt sie alle, selbst die, die gemein vorverurteilen und mit der Medienkeule zuschlagen.

Wir begrüßen den Hl. Vater in Malta / 17.04.2010

Ich weiß was ich schreibe. Ich weiß um das Vorverurteilt zu sein!  Ich weiß um den Schmerz sich nicht schützen zu können vor dieser gemeinen Medienkeule. Ist es nicht voller Widerspruch, da kann entschieden werden, ob eine Mutter ihr Kind austrägt oder abtreibt, das ist heute gesetzlich geregelt und auf der anderen Seite wird wegen eine Ohrfeige Misshandlung geschrieen. Natürlich haben die Opfer ihr Recht, wie Paulus  nach Rom zum Kaiser, zum obersten Gericht zu fahren, aber was erleben sie auf dem Weg bis dort hin?  Ist die Welt nun besser geworden, dass „Schuldige“ an den Pranger gestellt werden? Wer will denn den ersten Stein werfen?  Nein! Ich will nicht verhüllen, was geschehen ist, aber ich will den sehen der ohne Sünde ist. Freilich haben wir Recht auf Rechtsspruch, aber dann bitte in Rücksicht und einfühlsamer Menschlichkeit. Das Opfer verliert nicht seine Wunden durch Entschädigung, sondern durch Reha-bilitation, d.h. „bleibt alle auf dem Schiff!“  Bleibt im Alltag schlichte und aufrechte Menschen, vergeltet nicht Böses mit Bösem. Löst die Sache so, dass die menschliche Familie nicht zerbricht in die angeblich Guten und die angeblichen Bösen.

Auch für Euch, meine lieben Freunde, war mein „Schiffbruch“ nicht das edelste meiner Lebensgeschichte, aber es musste sein. „Die Einheimischen waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich…. Ap. 28, 2 Bei dieser Gelegenheit wollen wir  alle den Gemeindegliedern in Werningshausen / Hassleben und allen Mitstreitern ganz herzlich danken, dass sie als „die Einheimischen“ im wahrsten Sinne des Wortes „ungewöhnlich“ stark und fest zu uns gehalten haben. Sie spürten, dass es hier um mehr ging als nur so eine Bagatelle der Kirchen-geschichte.  Dank auch allen, die in verantwortlicher Funktion nicht Macht demonstrierten, sondern Verständnis hatten. Dank allen Betern – Dank Euch allen!   Der Schiffbruch vor Malta war ja  auch Inhalt der Predigt Papst Benedikt XVI., die er in Valletta hielt, und wir als Urlauber und Pilger miterleben durften. Der Papst sah mitgenommen aus. Freilich hat die Kirche auch schönere Zeiten gehabt, aber solche Stunden führen uns eng zusammen. Auf dem Schiff waren ehrbare und unehrbare Menschen, beide aber doch Gottes geliebte Menschen.

Ich sehe für die Ökumene ganz neue Möglichkeiten, wenn wir aus der Schiffbruchsituation lernen: Gott will uns für die Menschen bei den Menschen haben. Er will, dass die heiligen Werte, die er uns anvertraut hat, nicht zerstört werden. Sich die Hand reichen ist die beste Geste gegen die Faust. Im Schiffbruch ist die Machtfrage nicht die Erste, aber die, überleben zu wollen. So wollen auch wir als Kloster (durch Eure Treue und Hilfe) nicht untergehen. Gerade jetzt lieben wir das Schiff und Alle, die mitfahren zum großen Hafen. In Malta ist mir wieder bestätigt worden, es geht nur gemeinsam. So danken wir an dieser Stelle ganz besonders Schwester Junkermann (Landesbischöfin der EKM), die unser aufrechtes Ringen um die Kirche liebevoll beantwortet hat. Meine Bitte an diese Stelle möchte ich wiederholen:  Bleibt uns treu, wir brauchen Euch, wirklich!  Ihr unsere „Einheimischen“ bleibt freundlich und helft uns, damit wir gewärmt durch Eure Herzen beweglich bleiben im Ringen um die eine Heilige Kirche. Kommt, wir warten auf Euren Besuch und Eure Gedanken und Gespräche, Eure Gebete und Opfer! Kommt, wir haben uns viel zu erzählen, denn die Reise geht weiter…….

Danke Euer P. +Franz

1 Kommentar zu „Rundbrief nach unserer Maltareise“

  • Johannes:

    Zur Pfingstzeit Gottes Segen und bruederliche Gruesse aus der Ferne in Amerika. In der Naehe von Boston zur Konfirmation eines Neffens war die Kirche voll als 18 junge Menschen konfirmiert wurden und die erste Kommunion genossen.

    Im russischen Kloster in der Naehe von hier, wo Freunde Moenche sind, war auch voller Pilgern aus aller Welt.

    Hier einige Photos von dem Tag:

    http://www.hts.edu/seminary/photoalbum/ru/20100523pa_ru.html

    Auch in einer Welt wo der Glaube manchmal gespottet wird, strahlt die Herrlichkeit des Herrn, was wir bei unserem Besuch in Werningshausen auch miterlebten.

    Wir freuen uns, auf dem gleichen Schiff des Glaubens zu sein wie im Skt Wigberti!

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